Deutzer Brücke: Umleitungsverkehre funktionieren nicht
Köln, 22. August 2026 - Die Arbeiten an der Deutzer Brücke sind in die zweite Runde gegangen. Die Linien 1, 7 und 9 wurden getrennt und fahren nicht mehr über Rhein. Große Teile des Rechtsrheinischen haben keine Rhein-Querung und so einen stark eingeschränkten Weg in die Innenstadt. Die Fahrgäste müssen auf den Schienenersatzverkehr ausweichen. Die Ersatzbuslinie 101 verbindet den Neumarkt über Heumarkt und Deutzer Freiheit mit dem Bahnhof Deutz/Messe. Ab dem 20. Juli hat die Ersatzbuslinie 107 den Abschnitt der Linie 7 zwischen Neumarkt und Zündorf übernommen. Die Reisezeit auf dieser Relation verdoppelt sich nach Angaben der KVB bei normalem Verkehrsaufkommen nahezu, 47 Minuten anstatt 28 Minuten. In den Hauptverkehrszeiten dauert es länger.
In der Bauzeit werden die Fahrbahnen auf der Deutzer Brücke von zwei auf je eine Spur reduziert. Die Radverkehrsanlagen auf der Mindener Straße wurden gesperrt und der Radverkehr auf einen beidseitig befahrbaren Hochbordradweg gelegt, um Platz für Ersatzbushaltestellen zu schaffen. Auch zwischen Neumarkt und Heumarkt dienen Radverkehrsflächen als Bushaltestellen.
Diese eingerichtete Verkehrsführung funktioniert nicht. Sie bürdet allen Verkehrsteilnehmern hohe zeitliche Nachteile und Sicherheitsdefizite auf.
Der Schienenersatzverkehr benötigt für eine Strecke, die mit der Stadtbahn normalerweise etwa zwei Minuten dauert, regelmäßig mehr als zehn Minuten. Der motorisierte Individualverkehr steht insbesondere im Berufsverkehr bis zum Neumarkt und weit hinter den Deutzer Bahnhof im Stau. Für den Radverkehr entstehen erhebliche Sicherheitsprobleme. Die ohnehin schmalen Fahrspuren zwischen Neumarkt und Heumarkt sind häufig durch wartende Fahrgäste blockiert. Besonders an den Knotenpunkten Richtung Bäche und Rheinufer sowie im Bereich Heumarkt entstehen unübersichtliche Situationen. Auch die gegenläufige Radverkehrsführung in Deutz führt bei den hohen Radverkehrsmengen zu Konflikten.
Diese Gleichbehandlung führt zu Frust, längeren Pendelzeiten und sinkender Verkehrssicherheit.
Der Umweltverbund aus ÖPNV und Radverkehr muss während der Bauzeit Vorrang erhalten. Er kann das Verkehrschaos stark entlasten.
Der VCD schlägt vor, zukünftig bei Bauvorhaben dieser Größenordnung die Deutzer Brücke während der Bauzeit für den motorisierten Individualverkehr (außer Taxen) zu sperren. Der MIV wird über die Severinsbrücke geleitet und erreicht so schnell alle Ziele. Eine vergleichbare Verkehrsführung (bis auf die direkte Zufahrt nach Poll) bewährt sich inzwischen seit drei Jahren während des Weihnachtsverkehrs in Fahrtrichtung Innenstadt. Auch während des U-Bahnbaus wurde der Heumarkt für die Autoverkehr gesperrt, die Sperrung dauerte damals fast zwei Jahre.
Der Schienenersatzverkehr kann die Brücke ohne Stau passieren. Dadurch verkürzen sich die Fahrzeiten deutlich und die Anschlüsse werden zuverlässiger.
Eine zentrale Umsteigestation am Bahnhof Deutz/Messe erleichtert den Übergang zwischen den rechtsrheinischen Stadtbahnlinien und den Ersatzbussen. Die Bushaltestellen können so angeordnet werden, dass Radwege nicht mehr als Warteflächen genutzt werden müssen.
Eine konsequente Priorisierung des Umweltverbundes verbessert die Situation also für alle Beteiligten. Die Ersatzbusse werden leistungsfähiger und schneller, der Radverkehr sicherer und der Autoverkehr erhält eine verlässliche Umleitungsroute. Eine solche Lösung hätte das Gesamtsystem im Blick und nimmt die Effizienz des ÖPNVs ernst. e
Quelle: www.vcd-koeln.de