The Circularity Club - Modekreislauf neu gedacht & gemacht
Interview mit Marie-Lune Simard, der Gründerin des The Circularity Club – Kleidertausch & Upcycling
Köln-Ehrenfeld. Unsere Redakteurin Regina Nußbaum traf Marie-Lune Simard in ihrem Geschäft in der Klarastraße 8, in Ehrenfeld zum Interview.
Regina Nußbaum: „Marie-Lune, du hast vor drei Jahren den The Circularity Club gegründet. Wie kam es dazu?“
Marie-Lune Simard: „Ich habe The Circularity Club gegründet, weil ich gesehen habe, dass wir im Bereich Mode ein großes Problem haben: Es gibt unglaublich viele Kleidungsstücke, die noch tragbar sind, aber viel zu schnell aus unserem Alltag verschwinden. Gleichzeitig lieben Menschen Mode, Abwechslung und das Gefühl, etwas Neues zu entdecken.
Ich wollte deshalb nicht einfach einen weiteren Secondhand-Laden eröffnen, sondern ein neues System ausprobieren: einen Ort, an dem Kleidung lokal im Umlauf bleibt, bevor sie zu Abfall, Exportware oder Recyclingmaterial wird. The Circularity Club ist aus der Idee entstanden, Mode wieder gemeinschaftlicher, zugänglicher und ressourcenschonender zu denken.“
Regina Nußbaum: „Was bietest du deinen Mitgliedern genau an?“
Marie-Lune Simard: „Unsere Mitglieder können regelmäßig Kleidung bringen und aus unserer kuratierten Sammlung neue Lieblingsstücke mitnehmen. Es funktioniert über eine Mitgliedschaft, nicht über den Einzelverkauf jedes Kleidungsstücks. Das heißt: Man zahlt einen monatlichen Beitrag und kann den eigenen Kleiderschrank immer wieder auffrischen, ohne jedes Mal etwas Neues kaufen zu müssen.
Wir bieten einen schönen, sortierten Raum, in dem Kleidung wertgeschätzt wird. Es geht nicht darum, möglichst viel zu konsumieren, sondern darum, vorhandene Kleidung besser zu nutzen. Viele Mitglieder kommen regelmäßig vorbei, entdecken neue Teile, bringen eigene gute Stücke zurück in den Kreislauf und werden so Teil einer lokalen Wiederverwendungs-Infrastruktur.“
Regina Nußbaum: „Welche Kleidungsstile und Accessoires sind besonders beliebt bei deinen Kunden?“
Marie-Lune Simard: „Wir haben im Club keinen festgelegten Stil. Unsere Kollektion verändert sich ständig, weil jede Woche neue Teile von unseren Mitgliedern dazukommen. Der Stil hängt also davon ab, wer gerade was mitbringt — und genau das macht es so spannend.
Unsere Sammlung spiegelt unsere Community wider: vielfältig, kreativ, alltagstauglich, manchmal überraschend und oft sehr originell. Man findet bei uns schöne Basics, besondere Einzelstücke, Accessoires, Vintage-Teile, moderne Kleidung und vieles dazwischen.
Am besten versteht man es, wenn man selbst vorbeikommt. Denn dann sieht man, welche Wirkung 2ndish auf unsere Modekultur haben kann: Kleidung wird nicht mehr nur gekauft und weggegeben, sondern bleibt in Bewegung — von Mensch zu Mensch, mitten in der Stadt.“
Regina Nußbaum: „Wie genau funktioniert das Upcycling von Kleidungsstücken?“
Marie-Lune Simard: „Beim Upcycling arbeiten wir mit Kleidungsstücken und Textilien, die nicht mehr direkt tragbar sind, aber noch wertvolles Material enthalten. Diese Stücke werden sortiert: Was kann noch getragen werden, was kann repariert werden, und was eignet sich als Material für neue Produkte? Aus nicht mehr tragbaren Textilien können dann zum Beispiel Taschen, Kissen, Teppiche, Accessoires oder textile Objekte entstehen. Wichtig ist dabei, dass wir das Material nicht als Müll betrachten, sondern als Ressource. Upcycling bedeutet für uns nicht nur Kreativität, sondern auch eine notwendige Ergänzung zum Wiederverwenden: Was nicht mehr als Kleidung funktioniert, bekommt eine zweite Chance in einer neuen Form.“
Regina Nußbaum: „Wie finanziert sich der The Circularity Club?“
Marie-Lune Simard: „The Circularity Club finanziert sich vor allem über Mitgliedschaften. Die Mitglieder tragen mit ihrem monatlichen Beitrag (derzeit 15 Euro pro Monat) dazu bei, dass der Raum, die Sortierung, die Organisation und die Weiterentwicklung des Systems möglich sind. Das ist uns sehr wichtig, weil wir zeigen wollen, dass Wiederverwendung nicht nur über Spenden oder einzelne Verkäufe funktionieren muss. Wir bauen ein Modell auf, das sich als lokale Infrastruktur tragen kann. Zusätzlich arbeiten wir an Kooperationen, Förderungen und Partnerschaften, damit wir das System weiterentwickeln und in Zukunft auch in andere Stadtteile oder Städte bringen können. Eine Mitgliedschaft ist bei uns deshalb mehr als nur ein Zugang zu Kleidung — sie ist auch eine direkte Unterstützung für den Aufbau einer neuen Art von Modekreislauf.“
Regina Nußbaum: „Vielen Dank für das Gespräch!“
The Circularity Club
Klarastraße 8
50823 Köln-Ehrenfeld
Telefon: 0176-520 22990
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag von 11 bis 19 Uhr, Samstag von 11 bis 18 Uhr
info@2ndish.com
www.2ndish.com
Instagram@2ndish
Abbildungen: Marie-Lune Simard, Inhaberin des The Circularity Club © Regina Nußbaum
Text: Rergina Nußbaum