Interview mit Beatrix Rey

beatrix_reyBei ihren Streifzügen durch die Natur, wird sie von so manchem Kind beneidet. Beatrix Rey sammelt die Dinge die da liegen. Ob von Mutter Natur oder von Menschenhand geschaffen, die Künstlerin verwertet das, was sie reizt und verwenden kann. Hieraus gestaltet Rey vielfältige und phantastische Objekte.
Im Mai wird sie mit weiteren Künstlern der Gruppe „Artalia“ Arbeiten in der Ausstellung „Zwischenstopp 5+1“ in der Galerie-Graf-Adolf präsentieren.
Wir haben Beatrix Rey getroffen und sie zu ihrer künstlerischen Arbeit befragt.

Hallo Beatrix, welche Rolle spielt die Kunst in deinem Leben?
Die Kunst begleitet mich schon mein gesamtes Leben. Meine Mutter ist Lehrerin und sie hat  selber gemalt. Aus diesem Grund bin ich bereits als Kind auf unzähligen Ausstellungen gewesen. Auch schauten wir uns im Urlaub, z.B. Fresken von Michelangelo an. Sie hat mir sehr viel gezeigt und beigebracht. Ich habe also mein Leben lang irgendetwas mit Kunst zu tun gehabt. Selbst in den Phasen, in denen ich selbst nicht aktiv künstlerisch tätig war.

Trotzdem bist du Sozialarbeiterin geworden. Warum?
Nach dem Abitur wollte ich ursprünglich Sozialarbeit und Kunst studieren. Das ging leider nicht beides zusammen. Also habe ich mich für den Broterwerb, sprich Sozialarbeit  entschieden. Es ist ein Berufsfeld, was mich sehr ausfüllt. Dadurch habe ich in der Kunst die Freiheit, das zu gestalten, was ich will. Ich brauche nicht auf Verkäuflichkeit zu achten und Auftragsarbeiten zu erledigen. Der Nachteil ist natürlich, dass ich weniger Zeit für das künstlerische Schaffen zur Verfügung habe.

Der kreative Prozess deiner Arbeiten beginnt beim Sammeln von Fundstücken. Wie passiert das?
Ich bin schon immer gern und viel spazieren gegangen. Ich gehe durch den Wald oder am Rhein entlang und sammle, was mir vor die Füße kommt und was ich spannend finde. Hierbei schaue ich mit meinen ganz persönlichen Blick auf die Dinge.

Wie meinst du das?
Ich denke jeder Mensch hat seinen eigenen individuellen Blick. Wenn ich ein Fundstück in der Hand habe, dann assoziiere ich etwas mit diesem Objekt. Bei einem Zweiten löst dieses wahrscheinlich etwas ganz anderes aus. Somit würden wir völlig unterschiedliche Dinge daraus gestalten. Kunst ist meiner Meinung nach sehr persönlich und subjektiv. Es gibt kaum einen Lebensbereich, der so sehr mit der Person des Schaffenden zusammen hängt.

Du sammelst also nicht zielgerichtet?
Genau. Die Objekte entstehen im Tun. Ich schaue mir ein Stück an und dann habe ich eine Idee, was ich daraus machen kann.

objekt_beatrix_reyWie lange dauert es, bis du ein Objekt geschaffen hast?
Wenn ich einmal drin bin, kann ich nicht aufhören. Ab und zu kommt es schon mal vor, dass ich die ganze Nacht durch schaffe und am nächsten Tag wieder arbeiten muss. Es ist so, dass ich neue Ideen habe und diese muss ich verwirklichen. Wenn ich ein Bild male, kann ich es stehen lassen und sporadisch daran arbeiten. Bei meinen Objekten geht das nicht.

Du sagst selbst, für dich ist die Natur die größte Künstlerin. Wie meinst du das?
Wenn ich durch die Natur gehe, dann sehe ich so viele irre Sachen. Es ist unglaublich, wie der Himmel manchmal aussieht. Aber auch Bäume, wie deren Äste verwachsen sind, Pflanzen, Steine...Es gibt eine unendlich große Farben- und Formenvielfalt. Das lässt mich immer wieder staunen. Oft bearbeite ich Fundstücke gar nicht so sehr, weil sie bereits vollkommen sind. Das ist reinste Kunst.

Nach einer Pause hast du seit den neunziger Jahren begonnen, wieder verstärkt künstlerisch tätig zu sein. Zu Beginn war es meist Schmuck. Wie bist dazu gekommen Objekte zu gestalten?
Ich machte eine Ausstellung, die hieß Kunststücke – Fundstücke. Dort habe ich Schmuck aus Fundstücken gestaltet. Das hat mir plötzlich nicht mehr gereicht und ich habe begonnen, Objekte aus Fundstücken zu kreieren. Dabei bin ich geblieben.

Gibt es Zusammenhänge zwischen deiner Arbeit als Sozialarbeiterin und deinem künstlerischen Schaffen?
Ich mache Sozialtherapie mit psychisch kranken Menschen. Ich hole dabei Ressourcen aus ihnen heraus und wir schauen, was unter der Oberfläche liegt. Ebenso mache ich das mit den Fundstücken.
Durch das Bearbeiten können Merkmale und Strukturen zum Vorschein kommen, die niemand vorher vermutet hätte. Oder durch die Verarbeitung und Kombination bekommen sie eine neue Bedeutung.
 
Gibt es spezielle Themen mit denen du dich beschäftigst?
Ja. Ich hatte auf einer Gemeinschaftsausstellung zum Beispiel das Thema „Spuren der Konsumgesellschaft“ Hierbei beschäftigte ich mich intensiv mit dem Thema Müll. Durch u.a. eine große Weltkugel oder einem Baumstumpf mit Loch, habe ich Möglichkeiten gefunden, Müll sichtbar zu machen. Wir produzieren so viel Müll.
Allerdings sind nicht alle meine Arbeiten kritisch und ernst. Viele Arbeiten sind verspielt und regen zu einem Schmunzeln an. Je nachdem mit welchem Thema ich mich gerade beschäftige, kommt dies zum Ausdruck. So entwickle ich mich weiter.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass ich ein bisschen mehr Zeit für die Kunst habe. Ich möchte mich weiter bilden, um neue Impulse, Techniken und Erfahrungen zu sammeln. Außerdem wünsche ich mir natürlich erfolgreiche Ausstellungen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!
Ilka Baum

Ausstellungsinformation: Zwischenstopp 5+1

Galerie-Graf-Adolf
Graf-Adolf-Str. 18-20
51065 Köln-Mülheim

www.galerie-graf-adolf.de

 

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