Interview mit der Künstlerin Gabriele Gabriel

Portrait_GabrieleGabrielDie Galerie-Graf-Adolf präsentiert in der Zeit vom 07. Mai 2011 – 18. Juni 2011 Gemälde zweier außergewöhnlichen Frauen. Gabriele Gabriel und Maria Marias präsentieren Kunstwerke zum Thema „Unter Frauen“. Wir haben mit der in Bonn lebenden Künstlerin Gabriele Gabriel über ihre künstlerische Arbeit gesprochen.

Hallo Gabriele, seit wann beschäftigst du dich mit bildender Kunst?
Schon als Kind habe ich viel und gerne gemalt und so stand für mich bereits sehr  früh fest, dass ich eigentlich Kunst studieren wollte, doch wie es so manchmal im Leben ist, waren meine Eltern davon nicht sehr begeistert und meinten, ich sollte doch lieber einen richtigen Beruf wählen.
Und so genoss ich zunächst eine Ausbildung als Informatikerin und spielte mit den Bits und Bytes in der Entwicklung.

Schließlich hast du immer wieder zur Kunst gefunden. Wie ist das passiert?
Die Liebe zur Malerei blieb, kam aber wie vieles im Leben zu kurz. Später malte ich einfach wahllos mit der Computermaus in irgendwelchen Programmen herum und das war dann der Anfang meiner neuen Schaffensphase.
Von 1995 bis 2000 habe ich dann Teppichmuster entworfen und diese bei Importeuren auf Teppichmessen angeboten und verkauft.
In den Jahren 2003 und 2004 habe ich Studienaufenthalte in Afrika genossen und mich dann ganz der Malerei hingegeben.

Wie bist du zu deinem künstlerischen Ausdruck gekommen?
Von Anfang an habe ich mich mit der Aktmalerei und dem Ausdruck Mensch beschäftigt. Für mich stand von immer fest, dass die Landschaftsmalerei oder abstrakte Malerei nicht das richtige Ausdrucksmittel für mich ist. Das Leben in dem wir uns bewegen, ist so vielfältig und spannend und bietet uns täglich so viele Facetten und Möglichkeiten. Es ist einfach immer wieder spannend.

Was bedeutet es für dich, deine Gemälde zu schaffen?
In erster Linie möchte ich ein bisschen Welt sichtbar machen. Kunst durchkreuzt unsere Sehgewohnheiten, die Sicht und lenkt Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Konzentration auf seine Botschaft. Häufig löst das Bewusstsein eine Irritation, Konflikt aus, weil wir uns unwillkürlich mit der Darstellung typischer Attribute und den „Medien“ auseinandersetzen und so Sphären bilden.

Du widmest dich gegenwartsbezogen den Themen Frauen und den Geschehnissen einer Stadt oder Region. Was willst du hierbei zeigen?
Ja, es ist ungewöhnlich für eine Frau, daher bringe ich wie eine „Chamäleondame“ mit Stil und Gefühl das zum Vorschein, was wohl den einen oder anderen, in einer pulsierenden Zeit wie heute, in den Köpfen herum schwebt (besonders Männern). Ich spiegele dies, in einer „Leichtigkeit des Seins“ in meinen Figuren wieder.
Die Geschicke einer Stadt/Region können für mich ebenso Anlass sein, diese Zeitgeschehen in Bildern sichtbar zu machen und mich ganz der Gegenwart hinzugeben.

Wie würdest du deine Bilder beschreiben?
Ich bevorzuge Szenerien aus rauchigen, schwingenden und  fantasievollen, sowie exotischen Einlagen. Ich unterstreiche dies mit meinem eigentlichen künstlerischen Leitgedanken, in kühnen Schwüngen  -  kühnen Farben  -  klaren Konturen. Alles wird schwungvoll inszeniert, im Klein- wie Großformat und soll prägnant, ausdrucksstark und bewusst sinnlich sein.

Welche Motive wählst du hierfür?
Hier steht die künstlerische Beschäftigung mit dem Körper und seinen Möglichkeiten der Welten und natürlich der Frauenkörper neben dem Thema Bewegung und dem Spannungsverhältnis als zentrales Motiv.
Die Werke sind geprägt von kräftigen Farben, die Grenzen zwischen den Medien fließend. Sodass der Schwerpunkt meiner Arbeiten in der figurativen Gestaltung steht, in dem weder Ort noch Zeit Eindeutigkeit aufweisen und in Anlehnung an die Pop-Art. Daher ist die malerische Technik oftmals in der Richtung eines eher grafischen Stils anzusehen. Eine Verknüpfung von Realität und Kunst, die so mit eigenen abstrakten Mitteln spielerisch, verführerisch und auffallend hantiert.

Wie entstehen deine Bilder?
Ein facettenreiches Bild entsteht, in der Wirkung wie ein geschliffener Diamant, der mit dem Licht spielend, das Spektrum von Farben sichtbar macht. So kommen bei der Bearbeitung meiner Bilder für mich viele verschiedene Fragen auf.

Ist die Kunst eine Spiegelung und Projektion unserer Gesellschaft?
Eine komplette Echtzeit – Duplizierung?
Oder nur  eine Assoziation:
gibt es die Spiegelung des Nichtrealen?
Widerspruch zur Wirklichkeit?
Sind wir geblendet von unserem Status?
Blenden wir?
Ist alles nur eine Frage der Entwicklungen, Grenzen, und Visionen?
Ich entwickele in meiner Malerei, durch Bildbezüge und Überschreitung von Bildgrenzen Horizonte - Visionen und Illusionen und spiegele diese in meinen Figuren. Es entstehen Entfremdungen und Wiedererkennungseffekte in einem.
Horizonte – Visionen oder auch Illusionen spiegeln sich als Wiederholung, als Konformität, die keine Individualität zulässt, und Verdrehung der Ebenen zueinander.

Ein weiterer Ansatz für dich ist eine themenorientierte Herangehensweise. Kannst du uns die Entstehung an einem Beispiel erklären?
Zum Beispiel das Thema „Abgründe“  .
Das entstand aus einer aktuellen Schlagzeile aus einer Tagespresse.
Es handelte von einem Transvestiten, der Frauen überfiel und ihnen die Stiefel auszog. Als die Polizei ihn schließlich fasste, fand man bei ihm zu Hause Frauenstiefel en masse; keine Paare, sondern nur Einzelstiefel!  Oha, dachte ich als ich dieses in der Zeitung las, da tun sich „Abgründe“ auf. Ein Dieb, der Schuhe entfremdet,  was für eine Ausbeute und im welchem Verhältnis? Etwa ein Fetischist? Schuhfetischist?
Was für eine Verdinglichung der Emotionen und das in unserer heutigen modernen Zeit.  
Ja, so entstehen meine Projekte und Bilder.

Welche Farben und Untergründe verwendest du?
In Schwarz-Weiss oder im farbigen Grundkontrast gehalten wird das Bildnis reduziert oftmals auch auf stereotype Formen, die den Blick des Betrachters überraschen. Konsumkritik - oder genaue Beobachtungsgabe und Freude am farbenfrohen Detail zeichnen meine  Arbeitsweise aus.
Die aktuellen Trendfarben aus der Textilindustrie und den Möbelmessen, die die Wohntrends vorgeben sind für mich dabei ausschlaggebend und dienen als Orientierungshilfe, denn Bilder sollen doch schließlich zu unserer Wohneinrichtung passen und den Stil unterstreichen.

Welche Bilder wirst du in der Ausstellung „Unter Frauen“ zeigen?
Ich habe mich für einen Querschnitt aus meinen verschiedenen Bildserien entschieden.
Ich zeige die Bildserie „Music in Wonder“  und einen Ausschnitt aus dem pulsierenden und  polarisierenden Leben, das an den  „Januskopf“  erinnert.  Zusätzlich werde ich auch Spiegelungen präsentieren.

Und unter uns Frauen gesagt:
Wir sind zwei Künstlerinnen aus unterschiedlichen/ verschiedenen Kulturkreisen / Nationalitäten und widmen uns gemeinem einem großen Thema, das bereits schon viele Menschen beschäftigt hat und nur allzu oft in der Literatur beschrieben wurde, doch in der bildenden Kunst meistens nur von Männern erwartet wird.
Was bedeutet es eigentlich für Männer „unter Frauen“?
Greifen wir die Frauen  offen an?
Ok, Konkurrenz ist per se nicht schlecht. Sie spornt an und kann uns manchmal sogar Neue Weg zeigen.
Oder ist es einfach nur ein Phänomen?   … Trendwende… oder   Interdependenz  „unter Frauen“
Finden Sie es heraus.

Du möchtest dem Betrachter etwas mitgeben. Was möchtest du mit deinem Werk zeigen? 
Gute Kunst hat was mit Erfindung zu tun. Nicht selten mit überraschenden, fremdartigen, auch schockierenden Momenten. Sie soll den Betrachter etwas wirklich Neues, Ausgefallenes bieten.
Jede bildliche Wahrnehmung von Kunst ist eine Spiegelung, nicht nur auf der Innenseite der Netzhaut des Betrachters, denn in Wirklichkeit spiegelt die Kunst den Beschauer,  nicht das Leben.
Meine Arbeiten erscheinen sehr stark und energiegeladen. Sie als Betrachter brauchen keine Nuancen zu suchen, sondern der klare auch oft im Titel mitschwingende Bedeutungsgehalt ist da und will gesehen werden.
Scheuen Sie es nicht mich persönlich anzusprechen und scheuen sie es nicht, einem oder sogar zwei Bildern in ihren Wohnräumen einen Platz zu schaffen. Es sind alles  „wohnzimmerfähige“ Motive. Nichts muss sich verstecken. Haben Sie Mut.
Das ist der Wandel der Zeit, in dem wir leben.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Noch mehr heiße Ideen, denn ich reiße mir jedes einzelne meiner Werke aus dem Hirn.

Vielen Dank für die interessanten Einblicke!

Weitere Informationen:

www.gabrielegabriel.de

Ausstellungsinformation: "Unter Frauen"

galerielogo200

Galerie-Graf-Adolf
Graf-Adolf-Str. 18-20
51065 Köln

www.galerie-graf-adolf.de

 

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