das Kultur und Nachrichtenmagazin

20.07.2019 Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen

rudolfplatz71 Drogentote sind zu viel!
Um nahezu die Hälfte ist die Zahl der an Folgen von Drogenkonsum verstorbenen Menschen in Köln gestiegen. Die Organi-satoren des Gedenktags für verstorbene Drogengebraucher*innen halten dies für ein alarmierendes Zeichen und sehen dringenden Handlungsbedarf. Um dies in das öffentliche Bewusstsein zu bringen und gleichzeitig die Bandbreite der aktu-ellen Hilfsangebote darzustellen, richtet ein breites Bündnis von Akteuren der Selbst-, Drogen- und Aidshilfe eine Veran-staltung auf dem Rudolfplatz aus.

Der Anstieg der offiziellen Zahl der Kölner Drogentoten von 51 (2017) auf 71 im Jahr 2018 stellt einen Zuwachs um annä-hernd 40 % dar. Die Suche nach den Ursachen lässt alle Akteure ratlos zurück. Fehlende gerichtsmedizinische und labortech-nische Untersuchungen sind ein Grund dafür, dass auch die Fachleute lediglich spekulieren können. Der Versuch einer Analy-se führt jedoch fast zwangsläufig zu dem Ergebnis, dass die schon lange von der Politik beschlossenen Erweiterungen der Hilfsangebote schnellstmöglich umgesetzt werden müssen.

Der gestiegene Anteil an Obdachlosigkeit, das zunehmende Lebensalter der Konsument*innen sowie nach wie vor fehlende legale Konsummöglichkeiten sind nur einige der in Frage kommenden Ursachen für die hohe Zahl an Todesfällen. Eine zu-nehmende Perspektivlosigkeit bei den Drogengebraucher*innen aufgrund fehlender sinnstiftender Arbeits- und Beschäfti-gungsmöglichkeiten trägt sein Übriges dazu bei. Nicht zuletzt fehlt es ganz grundsätzlich -besonders für Menschen in Substi-tutionsbehandlung - an tagesstrukturierenden Angeboten.

Ein Teil der sich daraus ergebenden Bedarfe wurde erkannt und die politischen Beschlüsse werden mit Unterstützung der Verwaltung von den freien Trägern umgesetzt. Hier sind eine Weiterentwicklung und ein Ausbau des Hilfesystems in Gange. Gleichzeitig fehlt es aber auch noch an Angeboten, die sich direkt auf die Zahl der drogenbedingten Todesfällen auswirken könnten. Gerade „Drugchecking“ und ein stadtweites „Naloxon Take Home Programm“ werden in Köln nicht angeboten. Drugchecking würde die Möglichkeit für Konsument*innen bieten, ihre Drogen auf den Wirkstoffgehalt untersuchen zu las-sen, und so unmittelbar versehentliche Überdosierungen vermeiden helfen. Die Vergabe von Naloxon, einem Gegenmittel bei Opiatüberdosierungen, in die Hände der Gebraucher*innen, gibt diesen, im Falle einer Überdosis von Freund*innen, Bekannten, Partner*innen usw. die Chance schnell, effektiv und hochwirksam Hilfe zu leisten und so ein Versterben der Per-son zu verhindern.

Was das Drogenhilfesystem jetzt schon an Möglichkeiten zur Unterstützung und Hilfe bietet, präsentieren die teilnehmenden Einrichtungen und Abteilungen während der Veranstaltung am 20. Juli auf dem Kölner Rudolfplatz. Da das ursprüngliche Datum (21.7.) dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, haben wir uns entschieden, ihn um einen Tag vorzuziehen. So erreichen wir am Samstag, den 20.7. in der Innenstadt mehr Leute, als es sonntags der Fall wäre.

Die Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes wird auf der Bühne eine Rede halten und in einer durch den Leiter des Sommerblut-festivals Rolf Emmerich moderierten Talkrunde kommen alle Mitveranstalter zu Wort. Vor der Gedenkrede durch den Pastor Andreas Hübner und den folgenden Gedenkaktionen wird das Drugland-Theater einen Beitrag leisten. Den musikalischen Rahmen bilden der Songwriter Daniel Sänger, der Liedermacher Rolly Brings und die VISION-eigene Latin-Bluesrock-Formation „Visions don’t lie“.
Alle Kölnerinnen und Kölner, die sich über die Arbeit des Drogenhilfesystems informieren wollen, sind herzlich eingeladen, am 20.07.2019 am Rudolfplatz vorbeizukommen und das kulinarische und kulturelle Programm des Gedenktags zu genießen.

Protest-, Aktions- und Trauertag
21.07.2019 „Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen“
Schirmherr: Dr. Albrecht Ulmer, Stuttgart, Substitutionsarzt Träger des Bundesverdienstkreuz
„Gesundheit und Überleben gibt es nicht zum Nulltarif“

Mit diesem Thema wollen wir am 21.Juli 2019, dem Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen, auf die stetige Ausdifferenzierung der Angebote kommunaler Suchthilfe aufmerksam machen, die seit vielen Jahren - ohne eine entsprechende Aufstockung der Mittel - erwartet wird. Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Frau Mortler, macht auf dieses Missverhältnis aufmerksam.

Ohne die entsprechenden kommunalen Mittel werden z.B. dringend erforderliche und erfolgreiche Beratungs- und Testangebote für HIV und Hepatitis C nach dem Ende der Modellphase wieder eingestellt. Zudem gerät der dringend benötigte Ausbau eines ausdifferenzierten Hilfesystems vom niedrigschwelligen Angebot, über aufsuchende Angebote bis hin zu neuen Beratungsangeboten
für Konsument*innen von neuen psychoaktiven Substanzen sowie im Kontext von Chemsex ins Hintertreffen. Selbst dringend erforderliche Fortbildungsangebote für Mitarbeiter*innen können vielfach nur im beschränkten Umfang stattfinden. Die Gründe hierfür sind unter anderem fehlende finanzielle Mittel sowie eine dünne Personaldecke.

Die kommunale Suchthilfe benötigt schon lange eine bessere finanzielle Ausstattung, um den aktuellen Gegebenheiten und Anforderungen mit hoher fachlicher Qualität, hinreichend Zeit und angemessener Empathie begegnen zu können.

Die wichtige Arbeit vor Ort in den Beratungsstellen und Anlaufzentren sollte insgesamt mehr geschätzt werden. Sie vermag den Drogengebrauchenden nicht nur auf mannigfaltige Weise eine unmittelbare und daher zeitnahe Hilfe bei akuten Problemlagen zu ermöglichen. In diesen Einrichtungen entwickeln sich darüber hinaus oftmals auf positive Weise soziale Treffpunkte für ansonsten gesellschaftlich weitgehend ausgestoßene Menschen. Im Idealfall entsteht dann – zumindest zeitweise - ein Klima
zwischenmenschlicher Wärme. Ein Ort zum Innehalten, zum Erholen, der Information und Hilfe

Diese Orte der Menschlichkeit sollten daher dringend erhalten werden und ihre finanzielle Ausstattung muss verbessert werden. Vielerorts sollten zudem dort bislang fehlende Einrichtungen der Akzeptierenden Drogenhilfe entstehen können. Um das Überleben von Drogengebrauchenden zu sichern und mit möglichst individuellen Hilfen die gesundheitliche und soziale Situation zu verbessern, aber auch um zur Entlastung der Gesellschaft beizutragen müssen Länder und Kommunen mehr investieren!

„Wo Leben ist, da ist Hoffnung - und unser erstes Ziel in der Drogenpolitik sollte darin bestehen, diese Hoffnung am Leben zu erhalten, indem wir die Abhängigen am Leben halten!” Heather Brook, Australien

Bundesarbeitsgemeinschaft der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit
JES Bundesverband e.V.(Junkies Ehemalige Substituierte). Deutsche AIDS-Hilfe e.V. ; Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin e.V.

Akzept e.V.- Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik
Verantwortlich: Jürgen Heimchen, Ravensberger Str. 44, 42117 Wuppertal , Tel. 0202-423519

Quelle: www.aidshilfe.koeln

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