Interview mit Hasan Hüseyin Deveci und Monika Hajak - Miteinander II

webtitelbild300pxMiteinander II - Zwei Miteinander...
Die Galerie–Graf–Adolf freut sich Ihnen die zweite Auflage der Ausstellung Miteinander zu präsentieren. Sie wird am 04./05. Juli mit einer Vernissage eröffnet und endet mit einer Finissage am 08. August.
Hasan Hüseyin Deveci und Monika Hajak, zwei in ihrer Persönlichkeit und ihrem Lebensweg völlig unterschiedliche Künstler stellen in der Galerie–Graf–Adolf ihre Werke aus. Diese erschaffen sie, indem sie Emotionen in ihre vielfältigen Arbeiten fließen lassen. Miteinander II verdeutlicht das Motto des kurdischen Künstlers Hasan Hüseyin Deveci:
„Nicht wer die gleiche Sprache spricht versteht sich, sondern wer
die gleichen Gefühle hat...(MEVLANA).“
Hasan Hüseyin Deveci ist 1972 in Beskardes Kulu in der Türkei geboren und lebt seit 1998 mit seiner Familie in Köln. Seit frühester Kindheit beschäftigt sich der Künstler mit dem kreativen Ausdruck seiner Gefühle. Durch zahlreiche Ausstellungen u.a. im Kölner Rathaus und intensiver Arbeit, hat sich Deveci bewegt und weiterentwickelt.
Monika Hajak ist in Holzminden geboren und war sehr lange Zeit als Finanzbeamtin tätig. Die zweifache Mutter, fand über einen langen Weg zu ihrem individuellen künstlerischen Ausdruck.
Hier treffen sich nun beide Künstler, die lieber viel von sich zeigen und weniger erzählen, in einer gemeinsamen Ausstellung. Ihre Bilder und Skulpturen erzählen von Gefühlen, von Liebe und von dem was man offenkundig nicht sehen kann. Wir freuen uns dass wir ihnen ein paar Fragen stellen konnten.


Hasan Hüseyin Deveci, deine Themen ziehen sich durch dein künstlerisches Werk, wie ein roter Faden. Welche sind das?
Ich erzähle traurige Geschichten oder von Problemen, die sehr vielfältig sind und transformiere sie durch meine positiven Gefühle. Somit entstehen daraus Bilder, die positive Emotionen hervorrufen und schön sind. Dabei spielt der Kontrast im Menschlichen Leben eine ganz wesentliche Rolle. Gegenpole, wie Gut und Schlecht, Fröhlichkeit und Trauer, Treue und Verrat erzeugen eine existentielle Spannung, die ich versuche festzuhalten und zu zeigen. Mir ist die Liebe zum Menschen und zur Natur sehr wichtig. Jeder als Individuum trägt Verantwortung für die Natur und für die Gaben, die unsere Umwelt uns bietet.


Sind seit Miteinander I neue Betrachtungsweisen hinzugekommen?
Ich widme mich intensiv einem konkreten Thema, in Form von Serien und beleuchte dieses in mehreren Facetten. Bei den früheren Bildern verwendete ich oft dunkle Farben und meine Motive waren sehr traurig. Das hat sich geändert. Meine Themen haben immer noch meist mit meiner kurdischen Herkunft zu tun. Ich mache auf Problematiken aufmerksam und gebe denen, die keine Stimme oder nur eine schwache Stimme haben, Beachtung. Im Gesamten sind meine Arbeiten mittlerweile positiver, heller und lebendiger geworden.
Ich habe mich mit dem Thema Frauen, die unterdrückt werden, beschäftigt. Dies habe ich zum Beispiel in Form eines Volkstanzes dargestellt. Wenn man eine tanzende Figur sieht, wirkt diese doch viel lebendiger und freundlicher. Das heißt die positive Energie, mit der
ich meine traurigen Geschichten erzähle, kommt noch mehr zur Geltung. Dies sieht man in den Werken.


Du hast deine Werke im vergangenen Jahr sehr vielen Menschen präsentiert?
Seit Miteinander I in der Galerie–Graf–Adolf im Herbst 2007, hatte ich acht weitere Ausstellungen. Der Höhepunkt war die Ausstellung „Die Farben meiner Gefühle“ im Kölner Rathaus im Februar diesen Jahres.
Ich konnte es erst gar nicht glauben, dass ich hier ausstellen darf. Ich habe mich einfach beworben und bin eingeladen worden. Später erfuhr ich, dass es viele Künstler gibt, die seit Jahren darauf warten, ihre Arbeiten hier zu zeigen. Dadurch hat sich sehr viel ergeben. Auch durch die Unterstützung von Frau Bürgermeisterin Sho-Antwerpes, nahm zum Beispiel das Kulturamt des Landes NRW Kontakt zu mir auf. Außerdem hatte ich Gelegenheit in Spanien, in Istanbul, in Linz, Castrup-Rauxel, Westerstede und natürlich in Köln auszustellen.

Nun hast du die Gelegenheit bekommen an der Bienale in Venedig teilzunehmen. Wie sind deine bisherigen Eindrücke zu dieser Veranstaltung?
Das ist für mich immer noch wie ein Traum, der wahr geworden ist. Damit hätte ich nie gerechnet. Das wird wohl auch in die kurdische Geschichte eingehen. Ich bin dort der jüngste und bin seit März dabei die Werke herzustellen. Wir haben drei Themen: Grenzen, Identität und Sprache. Ich widme mich mit der Malerei dem Thema Sprache. Dabei erzähle ich eine ganz berühmte, alte kurdische Liebesgeschichte. Sie heißt Men û Zin. Es ist eine Serie daraus entstanden, die sich auf vier Leinwänden erstreckt. Dann mache ich noch eine Installation zum Thema Grenzen. Es ist ein Vier- Säulen- Objekt, welches mit Stacheldraht umgeben ist und worin Symbole von Menschlichkeit platziert werden.


Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir einfach zusammen in Frieden zu leben.


Hallo Liebe Monika Hajak, wann hat dein Interesse an der Kunst begonnen?
Kunst war eigentlich schon immer da und hat mich in meinem Leben begleitet, ein Schlüsselerlebnis gab es nicht. Soweit ich mich zurückerinnern kann, habe ich immer Zusammenhänge und Hintergründe wahrgenommen. Das Interesse an der Kunst wurde von zuhause aus nicht gefördert. Daher verlief mein Leben sehr geordnet : Ich habe eine Ausbildung zur Finanzbeamtin gemacht, eine Familie mit zwei Kindern gegründet, alles gemacht, was man als Frau so macht. Ich dachte oft, es muss noch etwas anderes geben im Leben. Anfang der Neunziger Jahre habe ich mich entschieden : Ich mache jetzt nur
noch und ausschließlich Kunst. Es war ein langer, mühsamer Weg, dahinzukommen.

Du hast an der Alanushochschule in Alfter studiert. Gab es einen bestimmten Grund dafür ?
Irgendwie bin ich schon mein ganzes Leben der Meinung gewesen, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als wir mit unseren Sinnen erfassen können und uns gelehrt wird. Ich war auf der Suche und die Alanushochschule begegnete mir. Die Anthroposophie beschäftigt sich ja mit dem Geistigen in unserem Leben, so dass dort auch in der künstlerischen Arbeit entsprechend „ganzheitlich“ gearbeitet wird. Diese Art des Arbeitens und Lernens wollte ich kennen lernen.


Hat dich die Philosophie der Hochschule beeinflusst ?
Die Schule hat mich insofern beeinflusst, als das ich noch mehr gelernt habe, Dinge im Zusammenhang zu sehen. Bei der bildhauerischen Arbeit zum Beispiel, gehe ich bei Holz und Stein auf das Material ein. Gewachsenes Material hat eine „ Seele“, d.h. eine Form, die
es selbst schon mitbringt, und wenn ich dem Material meinen Willen absolut aufzwinge, zerstöre ich sie, die Seele, den inneren Kern. Als Folge entsteht eine schlechte, leblose Arbeit.


Welche Themen beschäftigen dich in deiner Kunst und was sind deine Motive?
Meine Themen sind Menschen und ihr Inneres, ihr Gefühl und mein Gefühl von ihnen – dabei sind wir wieder beim Geistigen angelangt.
Öfter sind auch auf meinen Bildern Engel thematisiert. Warum das so ist, dass kann ich nicht begründen oder erklären, es passiert einfach bei der Arbeit und ich lasse es geschehen und dann so stehen. So ist es auch bei den Motiven, dass sie in meinem Kopf als Bild entstehen.
Aus dieser gesehenen Bildidee entwickelt sich dann nach und nach das fertige Werk.

Du hältst Workshops für Malerei und Bildhauerei ab. Wie vermitteltst du Kunst und was motiviert dich dabei ?
Oft höre ich den Satz :“Ich kann das nicht.“ Diese Aussage halte ich generell für falsch, denn jeder Mensch wird mit einem großen kreativen Potential geboren. Nur in den meisten Erziehungs- und Bildungseinrichtungen, manchmal schon im Kindergarten, wird diese Kreativität nicht gefordert und gefördert, sondern durch geforderte Anpassung zugeschüttet. Ich merke deutlich, dass unser Bildungssystem seine Spuren hinterlässt. Ich stelle mit Erschrecken fest, wie eng und fest oft schon zehnjährige Kinder sind, denen die
Lockerheit verlorengegangen ist. Wir alle kennen die Sätze, die uns in unserer Kreativität blockieren: „so geht das nicht“, „das ist nicht richtig“, „das ist falsch“. Ich versuche in meinen Kursen einen Gegenpol zu bilden, indem ich jede Idee erstmal für zulässig erkläre.
Sprich, jede Idee ist gut und wir schauen, was wir gemeinsam daraus machen können.

Was sind deine Pläne und Wünsche für die Zukunft?
Ganz einfach: Ich werde den Weg als Künstlerin weitergehen und bin gespannt, was mir da noch so begegnen wird. Mein Wunsch ist, dass Kunst etwas Normales und Allgegenwärtiges und Alltägliches im Leben von uns Menschen wird. Kunst soll endlich den gleichen Stellenwert in der Gesellschaft und in der Bildung erhalten, wie die Wissenschaften, z.B. der Mathematik, der Physik oder der Sprache.

Weitere Informationen zu den Künstlern:

Miteinander II

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