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05.12.2019 Tag des Ehrenamtes - Anerkennung, persönliche Weiterentwicklung und das gute Gefühl zu helfen

Neues Vorstandsteam 2020 Wirtschaftsjunioren Köln Foto Olaf Wull NickelDer 5. Dezember ist der internationale Tag des Ehrenamts. Es gibt ca. 600.000 Vereine in Deutschland. Darunter gibt es Kaninchenzüchter*innen, aber auch immer mehr Menschen, die sich als Akteur*innen politischer Willensbildung verstehen. Jennifer Polzin ist Unternehmerin und seit einigen Jahren ehrenamtlich für die Wirtschaftsjunioren Köln tätig, für die sie jetzt als Vorsitzende in den Vorstand 2020 gewählt wurde. Im Interview erzählt die 30-Jährige über ihre eigene Motivation, über die Kunst im Ehrenamt Menschen zu führen, warum ehrenamtliche Dienstleistungen essenziell sind für unsere Gesellschaft und warum es nie genug Akteur*innen politischer Willensbildung geben kann.

Frau Polzin, Sie sind seit etwa vier Jahren ehrenamtlich sehr engagiert bei den Wirtschaftsjunioren (WJ) tätig, seit fast zwei Jahren im Vorstand und nun auch zur Vorsitzenden 2020 gewählt worden. Wie viel Zeit verbringen Sie neben Ihrem originären Job bei den Junior*innen?

Die Junior*innen sind mein zeitintensivstes, aber auch produktivstes Hobby. Ich verbringe einen Großteil meiner Freizeit mit WJ-Projekten. Täglich sind das mindestens zwei Stunden. Dazu kommen etwa drei Abendveranstaltungen pro Woche sowie der überregionale Austausch. Ich investiere hoch, aber ich bekomme auch doppelt und dreifach zurück. Denn jedes Projekt, jede Veranstaltung, jeder Mensch, mit dem ich zusammenarbeite, ist eine neue Gelegenheit zu lernen und zu wachsen.

Ehrenamt ist gesellschaftliches Engagement. Anders als im Beruf verfolgen Menschen im Ehrenamt ein anderes Ziel. Und das in der Regel unentgeltlich. Was motiviert Sie?

Als ich das erste Mal zu den Junior*innen gegangen bin, hatte ich mich gerade selbstständig gemacht. Ich war auf der Suche nach einem Netzwerk, um mich mit anderen Gründer*innen auszutauschen. Dann merkte ich ziemlich schnell, dass hinter WJ noch viel mehr steckt: Persönliche Weiterbildung, soziale Projekte, internationale Kooperationen und jede Menge beeindruckende Menschen. Als WJ sind wir zudem ein Lernverein. Auf unserer schönen, grünen Spielwiese durfte ich mich die letzten Jahre austoben: Projekte verwirklichen, mein Netzwerk ausbauen und das freie Sprechen verbessern. Ich durfte viel lernen und habe mich weiterentwickelt – genau das motiviert mich: immer besser zu werden. Die Philosophie dahinter nennt sich Kaizen und kommt aus Japan.

Im Berufsalltag denken wir bei dem Begriff Führung an Chefs, die Anweisungen geben und kontrollieren, ob diese eingehalten werden. Davon hängt im Prinzip auch ab, ob es eine Gehaltserhöhung gibt oder nicht. Wie funktioniert so etwas im Verein? Wie motivieren Sie andere? Und braucht es das überhaupt?
Im ehrenamtlichen Verein gilt eine andere Währung als Geld: Ganz hoch im Kurs stehen hier Anerkennung, persönliche Weiterentwicklung und das gute Gefühl, jemandem geholfen zu haben.

Selbstverständlich sind unsere Mitglieder intrinsisch motiviert. Andernfalls hätten sie den Weg zu uns nicht gefunden. Dennoch gibt es in jedem Projekt auch ungeliebte Aufgaben oder – besser gesagt – unterschiedliche Vorlieben bei unseren Mitgliedern. Die Grundvoraussetzung für ein motiviertes Team ist daher, die richtige Person an die richtige Position zu bringen, d. h. die Aufgaben den Talenten entsprechend zu vergeben. Das finde ich nur heraus, wenn ich zuhöre und verstehe, was jedes einzelne Mitglied braucht. Dann stelle ich die persönlichen Vorteile für jede*n heraus: Was können wir persönlich durch diese Aufgabe lernen? Was können wir gewinnen? Zuletzt fordere ich heraus: Probier‘ es doch mal aus! Mach es einfach! Manchmal müssen wir auch mal etwas Neues ausprobieren und unsere Komfortzone verlassen, um uns weiterzuentwickeln.

Sie haben als Vorständin 2020 auch Führungsverantwortung, als stellvertretende Vorsitzende 2019 sicher auch schon reichlich Erfahrungen gemacht. Was bedeutet für Sie „Führung im Ehrenamt“?

Führung im Ehrenamt funktioniert über Integrität, Werte und ganz klar über Motivation. Es gibt eben kein Geld für die vielen ehrenamtlichen Stunden und erst recht keine disziplinarischen Mittel. Authentizität und Haltung sind unerlässlich, denn die Glaubwürdigkeit des Vorstands beeinflusst die Produktivität des Kreises. Das bedeutet, dass wir als Vorstand immer auf Augenhöhe Teil des Kreises sind, offen und ehrlich mit allen Mitgliedern sprechen, uns als Kreis gemeinsam Meinungen bilden, diese diskutieren und schließlich daraus Projekte ableiten. Ich bin zudem fest davon überzeugt, dass Motivation im Ehrenamt – wenn nicht generell – nur über positive Gefühle stattfinden kann. Das gilt es tagtäglich herauszustellen: Nicht nur bei den großen Projekttreffen, sondern vor allem in den vielen Einzelgesprächen. Schließlich ist jede*r Jeck anders!

Wie wird bei Ihnen (zusammen) gearbeitet und was sind Ihre Ziele?

Wir Wirtschaftsjunior*innen wollen etwas an die Gesellschaft zurückgeben und unsere Umwelt positiv mitgestalten. Dabei wollen wir aber auch etwas lernen, Kontakte knüpfen und uns weiterentwickeln. In unserer Arbeitsweise orientieren wir uns stets am neusten Stand der Technik, denn auf unserer Spielwiese können wir alles testen. Aktuell beschäftigen wir uns mit agilen Führungsmethoden und versuchen, möglichst hierarchielos und partizipativ zu arbeiten. Das ist nicht immer einfach und wir stoßen an Grenzen. Doch wir erschaffen in unserer Petrischale auch Best Practices, die wir dann in unsere Unternehmen mitnehmen. Wichtig ist uns, dass alle ihre Ideen ausprobieren dürfen. Mithilfe unserer erprobten Arbeitsweisen setzen wir dann soziale Projekte um, bereiten politische Diskussionen vor, fördern das ehrbare Unternehmertum und trainieren Schüler*innen im Bewerbungsprozess. Unser Ziel ist nicht weniger als eine bessere und gerechtere Welt!

Es gibt ca. 600.000 Vereine in Deutschland. Darunter gibt es Kaninchenzüchter*innen, aber nach Aussage von ZIVIZ-SURVEY auch immer mehr Menschen, die sich als Akteur*innen politischer Willensbildung verstehen. Ist das ein gutes Zeichen für die Demokratie und eine positive, zivilgesellschaftliche Entwicklung?

Das ist ein absolut gutes Zeichen! Ich freue mich sehr, dass sich insbesondere die Jugend durch „Fridays for Future“ wieder klar politisch positioniert. Das sah vor einigen Jahren noch ganz anders aus. Da herrschte ganz klar Politikverdrossenheit bei den Jungen. Vor dem Hintergrund der starken rechtspopulistischen Strömungen in ganz Europa – wenn nicht der Welt – kann ich ebenso nachvollziehen, dass die Anzahl der Menschen steigt, die sich gemeinsam öffentlich dagegenstellen. Wir haben uns einige Zeit auf den Errungenschaften der letzten Jahrzehnte ausgeruht. Demokratie entsteht nicht von selbst und ist immer nur so stark wie ihre Unterstützer*innen. Es bedarf der Pflege. Jeder erwachsene Mensch, der in einer Demokratie lebt, trägt auch die Verantwortung, diese am Leben zu erhalten. Demnach kann es nie genug Akteur*innen politischer Willensbildung geben. Ich freue mich, dass die Anzahl steigt.

Verändert sich das Ehrenamt durch die Digitalisierung und stärkere Mobilität im Arbeitsbereich?
Natürlich. Die digitale Revolution ist eine Revolution und betrifft daher alle Lebensbereiche – auch das Ehrenamt. Ich sehe das aber absolut positiv. Selbstverständlich müssen manche Herausforderungen gemeistert und Regulierung gefunden werden, z.B. in der KI. Doch generell finden Informationen, Partner*innen und Projekte digital viel schneller zusammen, können sich austauschen und voneinander lernen. Wir als Digital Natives kennen es fast nicht mehr anders: Wir sind mit der ganzen Welt vernetzt und können so stets unterschiedliche Expertisen anzapfen oder die Best Practices anderer WJ-Kreise nutzen. Auf Bundesebene, wo die Distanzen groß sind, ermöglichen digitale Hilfsmittel erst manche Zusammenarbeit. Aber auch in Köln auf Kreisebene sind digitale Tools die Basis der Kommunikation. Schließlich sind unsere Mitglieder ebenso in der Welt unterwegs und nicht immer zo Hus in Kölle am Rhing.

Warum braucht unsere Gesellschaft das Ehrenamt?

Weil wir uns Versorgungslücken innerhalb unserer Gesellschaft erlauben. Nicht alles, was das Ehrenamt leistet ist „nice to have“ – viele ehrenamtliche Dienstleistungen sind essentiell für die betroffenen Menschen und auf Makroebene entsprechend auch für die Gesellschaft als Gesamtheit. Deutschland verlässt sich auf die Ehrenamtler. Dabei gehen ihre Leistungen über das Allernötigste hinaus, gehen einen Schritt weiter und helfen eine bessere Zukunft zu gestalten. Solche Vordenker*innen brauchen wir. Menschen, die den Alltag durchbrechen, sich nicht vom System entmutigen lassen und für ihre Themen einstehen.

Die Wirtschaftsjunioren Köln e.V. sind junge Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte aus allen Bereichen der Wirtschaft. Der Aufbau neuer Kontakte, die Entwicklung der eigenen unternehmerischen Persönlichkeit und Spaß am Engagement für andere sind Kernmotive der Mitglieder. In verschiedenen Projekten setzten sich die Wirtschaftsjunioren Köln e.V. ehrenamtlich ein, um das soziale, kulturelle und wirtschaftspolitische Umfeld ihrer Heimatstadt aktiv zu gestalten.

Quelle: www.wjkoeln.de

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